US-Anleihen

Zinswende-Fantasie beflügelt T-Notes: US-Rendite fällt auf 4,64 Prozent

US-Bonds im Aufwind

Aylin Yilmaz

Von Aylin Yilmaz

· 3 Min.

Zinswende-Fantasie beflügelt T-Notes: US-Rendite fällt auf 4,64 Prozent
Zinswende-Fantasie beflügelt T-Notes: US-Rendite fällt auf 4,64 Prozent

Die Akteure am Rentenmarkt greifen wieder beherzt zu: Am Dienstag verzeichneten US-Staatsanleihen im New Yorker Handel spürbare Kursgewinne. Der marktbestimmende Terminkontrakt für zehnjährige Staatspapiere (T-Note-Future) kletterte um 0,33 Prozent und schloss bei 108,81 Punkten. Im Gegenzug rutschte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Anleihen auf 4,64 Prozent ab. Ein Zusammenspiel aus deutlich nachgebenden Rohstoffpreisen und enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA lieferte den perfekten Nährboden für diesen dynamischen Rendite-Rutsch. Für Marktteilnehmer bedeutet dies eine spürbare Entlastung an der Zinsfront.

Rohöl-Rutsch nimmt Inflationsdruck aus dem Markt Haupttreiber der Kursgewinne bei den Treasuries war die Entspannung an den Energiemärkten. Die Rohölpreise gerieten im Tagesverlauf zunehmend unter Verkaufsdruck. Da Energie ein zentraler Treiber der Verbraucherpreise ist, signalisieren fallende Ölnotierungen den Rentenmärkten eine Abschwächung der Inflation. Dies wiederum erhöht den Spielraum für geldpolitische Lockerungen.

Überschattet wird die Lage am physischen Ölmarkt jedoch weiterhin von den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Die US-Regierung verschärfte im Rahmen ihres wirtschaftspolitischen Vorgehens gegen Teheran die Gangart massiv. Ziel sei es, den Iran wirtschaftlich vollständig zu isolieren und sämtliche Einnahmequellen der iranischen Revolutionsgarden konsequent zu unterbinden, betonte US-Finanzminister Scott Bessent. Dass die Ölnotierungen dennoch nachgaben, verdankt der Markt auch diplomatischen Signalen aus der Region: Nach Vermittlungsgesprächen in Teheran zeigte sich die pakistanische Regierung vorsichtig optimistisch. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sprach nach einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian von "sehr positiven und produktiven" Gesprächen. Obwohl erfahrene Marktbeobachter betonen, dass ähnlichen Ankündigungen aus Islamabad in der Vergangenheit selten konkrete Entspannungen folgten, reichten die Meldungen aus, um spekulative Risikoprämien vorerst aus den Ölpreisen herauszupreisen.

Konjunkturdaten belasten die US-Wirtschaftsmotoren Neben dem entlastenden Rohstoffsektor lieferte die fundamentale Verfassung der US-Wirtschaft den Anleihekäufern am Dienstag handfeste Argumente. Gleich zwei wichtige Konjunkturindikatoren enttäuschten die Erwartungen der Analysten deutlich und untermauerten das Szenario einer spürbaren konjunkturellen Abkühlung in den Vereinigten Staaten.

Besonders schwer wog die Eintrübung der US-Verbraucherstimmung im August. Der viel beachtete Indikator des Conference Board fiel nicht nur schwächer aus als im Vorfeld von Ökonomen prognostiziert, sondern sank auf den niedrigsten Stand seit Januar dieses Jahres. Die amerikanischen Verbraucher, die gemeinhin als wichtigste Stütze der US-Binnennachfrage gelten, blicken angesichts stagnierender Reallöhne und zunehmender Unsicherheiten am Arbeitsmarkt wieder deutlich skeptischer in die Zukunft.

Flankiert wurde dieses Signal von einer Hiobsbotschaft aus dem Immobiliensektor. Die Verkäufe neuer Häuser brachen im Juli weitaus dynamischer ein als im Konsens kalkuliert. Da der Wohnungsmarkt extrem zinssensibel reagiert, werten Experten diesen Einbruch als klaren Beleg dafür, dass die restriktive Geldpolitik der Federal Reserve ihre bremsende Wirkung mit zeitlicher Verzögerung nun voll im Realmarkt entfaltet.

Devisenmarkt reagiert prompt auf Rendite-Rutsch Die sinkenden US-Renditen blieben auch am Devisenmarkt nicht ohne Folgen. Da die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen wie der Eurozone durch den Rendite-Rutsch auf 4,64 Prozent schrumpfte, geriet der US-Dollar phasenweise unter Abgabedruck. Händler schichteten Kapital aus dem Greenback in festverzinsliche Wertpapiere um, was die Kursgewinne bei den T-Notes zusätzlich stabilisierte.

Für Bondhändler ist die logische Kette hinter diesen Entwicklungen stringent: Eine abkühlende Wirtschaft gepaart mit sinkenden Rohstoffpreisen nimmt der Federal Reserve die Argumente für dauerhaft hohe Zinsen. Die Marktteilnehmer preisen nun mit höherer Wahrscheinlichkeit baldige Zinssenkungsschritte ein. Sinkende Leitzinsen machen die im Umlauf befindlichen, höher verzinsten Anleihen attraktiver, was deren Kurse steigen lässt.

Ausblick: Technischer Widerstand im Fokus Die Marke von 4,64 Prozent bei den zehnjährigen Renditen ist nun auch aus technischer Sicht von hoher Relevanz. Kann dieses Niveau nachhaltig unterschritten werden, dürfte dies weiteren Spielraum für Kursgewinne beim T-Note-Future eröffnen. Das nächste markante Kursziel auf der Oberseite des Futures liegt im Bereich der psychologisch wichtigen Marke von 109,50 Punkten. Trader sollten in den kommenden Handelstagen die Entwicklung der Rohöl-Futures sowie anstehende Arbeitsmarktdaten genau beobachten, um zu prüfen, ob sich dieser Trend hin zu niedrigeren Renditen verfestigt.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Wallstreet Online redaktionell erstellt.

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