US-Anleihen

US-Renditen knicken ein: Wie Ölpreis-Rutsch und US-Konjunkturdelle die T-Notes treiben

Bonds im Aufwind

Hendrik Jansen

Von Hendrik Jansen

· 3 Min.

US-Renditen knicken ein: Wie Ölpreis-Rutsch und US-Konjunkturdelle die T-Notes treiben
US-Renditen knicken ein: Wie Ölpreis-Rutsch und US-Konjunkturdelle die T-Notes treiben

Trendwende am Rentenmarkt: Bond-Bullen greifen zu

Die Akteure am globalen Rentenmarkt atmen auf. Nach einer Phase anhaltenden Renditedrucks verzeichneten US-Staatsanleihen am Dienstag deutliche Kursgewinne. Der marktbestimmende Terminkontrakt für zehnjährige Staatsanleihen (T-Note-Future) kletterte um 0,33 Prozent auf 108,81 Punkte. Im Gegenzug sank die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries spürbar auf 4,64 Prozent.

Diese Entwicklung spiegelt eine unmittelbare Entlastung an den Rohstoffmärkten wider, die Hand in Hand mit zunehmenden Zweifeln an der Robustheit der US-Wirtschaft geht. Für Anleiheinvestoren, die in den vergangenen Monaten unter den falkenhaften Tönen der US-Notenbank Federal Reserve litten, lieferte dieser Handelstag wichtige Argumente für eine mögliche geldpolitische Entspannung.

Entlastung von der Tankstelle: Der Ölpreis-Effekt

Der wichtigste Katalysator für die Erholung am Rentenmarkt war im Tagesverlauf der kontinuierliche Verfall der Rohölpreise. Billigeres Öl dämpft die Inflationserwartungen direkt, da Energiepreise einen der volatilsten und einflussreichsten Faktoren im Verbraucherpreisindex darstellen. Sinkt die Inflation, sinkt auch der Druck auf die Fed, die Zinsen längerfristig auf hohem Niveau zu belassen – ein klassisches Kaufsignal für festverzinsliche Wertpapiere.

Hinter den Kulissen des Ölmarktes schwelen jedoch weiterhin massive geopolitische Spannungen. Die US-Regierung verschärft ihren Kurs gegen den Iran spürbar. US-Finanzminister Scott Bessent betonte jüngst, dass die neuen Sanktionen darauf abzielen, das Land im Rahmen eines „Wirtschaftskriegs“ vollständig zu isolieren und sämtliche Einnahmequellen der iranischen Revolutionsgarden auszutrocknen.

Zwar bemüht sich Pakistan derzeit um eine diplomatische Deeskalation – der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sprach nach Gesprächen in Teheran mit Irans Präsident Massud Peseschkian von „sehr positiven und produktiven Verhandlungen“ –, doch die Marktteilnehmer bleiben skeptisch. Ähnliche diplomatische Avancen in der Vergangenheit blieben oft folgenlos. Dennoch dominiert am Ölmarkt derzeit das Bild eines ausreichenden Angebots bei gleichzeitig schwächelnder globaler Nachfrage, was die Notierungen drückt und den Anleihen den Rücken stärkt.

US-Konjunkturdaten enttäuschen auf breiter Front

Neben den Energiepreisen lieferte die fundamentale Datenlage aus den USA den Bond-Käufern frische Argumente. Die US-Konjunktur zeigt deutliche Risse, was an den Märkten paradoxerweise positiv aufgenommen wurde (Bad News is Good News). Je schwächer die Wirtschaft, desto wahrscheinlicher werden Zinssenkungen.

Besonders die Stimmung der US-Verbraucher hat im August einen unerwartet herben Dämpfer erhalten. Der viel beachtete Stimmungsindikator des Conference Board sank auf den tiefsten Stand seit Januar und blieb deutlich hinter den Prognosen der Ökonomen zurück. Da der private Konsum das unbestrittene Rückgrat der US-Wirtschaft bildet, lässt dieser Einbruch auf eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums im laufenden Quartal schließen.

Flankiert wurde dieses düstere Bild von enttäuschenden Zahlen aus dem Immobiliensektor. Die Verkäufe neuer Häuser brachen im Juli weitaus stärker ein als von Analysten kalkuliert. Der US-Häusermarkt leidet weiterhin massiv unter dem hohen Zinsniveau, das Hypotheken für viele Amerikaner unerschwinglich macht. Der deutliche Rückgang der Verkaufszahlen zeigt, dass die restriktive Politik der Federal Reserve ihre Wirkung im realen Wirtschaftskreislauf nun immer deutlicher entfaltet.

Devisen und Renten im Gleichschritt

Für Devisenhändler brachte die Renditeschwäche der USA auch Bewegung in den Dollar. Da die Zinsvorteile der US-Währung gegenüber dem Euro und anderen wichtigen Währungen durch die fallenden Renditen schrumpfen, geriet der Greenback unter moderaten Abgabedruck.

Marktbeobachter richten ihren Blick nun auf die kommenden Tage. Sollte sich der Trend rückläufiger Wirtschaftsdaten fortsetzen, dürfte die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen schnell die psychologisch wichtige Marke von 4,50 Prozent testen. Für den Moment haben die Bond-Bullen das Ruder übernommen, gestützt auf ein stabiles Fundament aus billigerem Öl und einer abkühlenden US-Konjunktur.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Wallstreet Online redaktionell erstellt.

#US-Anleihen#Renditen#Ölpreis#US-Konjunktur#T-Note-Future#Geldpolitik

Weiterlesen

Mehr aus der Kursfeld-Redaktion