US-Anleihen

Ölpreis-Rutsch stützt Rentenmarkt: US-Renditen geben spürbar nach

Staatsanleihen im Aufwind

Tobias Krawczyk

Von Tobias Krawczyk

· 3 Min.

Ölpreis-Rutsch stützt Rentenmarkt: US-Renditen geben spürbar nach
Ölpreis-Rutsch stützt Rentenmarkt: US-Renditen geben spürbar nach

Der US-Anleihemarkt zeigt sich zur Wochenmitte von seiner festen Seite. Angeschoben von einer spürbaren Entlastung an den Rohstoffmärkten und trüben Konjunktursignalen aus der größten Volkswirtschaft der Welt griffen Investoren am Dienstag verstärkt zu US-Staatsanleihen. Der vielbeachtete Terminkontrakt für zehnjährige Treasury Notes (T-Note-Future) kletterte um 0,33 Prozent auf 108,81 Punkte. Im Gegenzug sank die Rendite der zehnjährigen US-Papiere auf 4,64 Prozent. Diese Bewegung spiegelt die Erleichterung der Marktteilnehmer wider, die sowohl auf eine nachlassende Inflationsdynamik durch billigeres Öl als auch auf eine potenziell weniger restriktive Geldpolitik der Federal Reserve setzen.

Ölmarkt entlastet die Rentenmärkte

Ein wesentlicher Treiber für den jüngsten Kursanstieg bei den US-Bunds war der kontinuierliche Preisverfall beim Rohöl im Tagesverlauf. Da Energiepreise eine Schlüsselrolle bei den globalen Inflationsdaten spielen, bedeutet billigeres Öl direkten Entlastungsdruck für die Notenbanken. Weniger Inflation nimmt der Fed den Druck, die Zinsen länger auf hohem Niveau zu belassen, was wiederum festverzinsliche Wertpapiere für Anleger attraktiver macht.

Im Fokus der Rohstoffhändler steht weiterhin die geopolitische Lage im Nahen Osten, insbesondere die verschärften Spannungen rund um den Iran. Die US-Regierung unter Finanzminister Scott Bessent fährt im Rahmen ihres "Wirtschaftskriegs" einen harten Kurs und versucht, Teheran vollständig vom globalen Finanz- und Handelssystem zu isolieren. Neue Sanktionen zielen explizit darauf ab, sämtliche Einnahmequellen der iranischen Revolutionsgarden auszutrocknen. Normalerweise führen solche geopolitischen Eskalationen zu sprunghaft ansteigenden Ölpreisen. Dass der Markt diesmal gelassen reagiert und die Preise sogar nachgeben, liegt auch an diplomatischen Signalen aus der Region.

Nach jüngsten Vermittlungsgesprächen Pakistans im Iran zeigte sich Islamabad vorsichtig optimistisch. Der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi sprach nach einem Treffen mit Irans Präsident Massud Peseschkian in Teheran von "sehr positiven und produktiven Gesprächen". Zwar mahnen Marktbeobachter zur Vorsicht, da ähnliche diplomatische Avancen in der Vergangenheit oft ohne handfeste Ergebnisse blieben, doch für den Moment reichte die Nachricht aus, um die Risikoprämien am Ölmarkt schmelzen zu lassen.

US-Konjunkturdaten enttäuschen auf breiter Front

Neben den Impulsen vom Energiemarkt erhielten die Anleihekurse spürbare Schützenhilfe von der US-Konjunkturfront. Die am Dienstag veröffentlichten makroökonomischen Daten untermauerten die These, dass die US-Wirtschaft an Schwung verliert. Besonders deutlich wurde dies beim US-Verbrauchervertrauen für den Monat August. Der vielbeachtete Stimmungsindikator trübte sich überraschend stark ein und fiel auf den niedrigsten Stand seit Januar. Da der private Konsum als die tragende Säule der US-Wirtschaft gilt, deutet dieser Dämpfer auf eine bevorstehende Abkühlung hin.

Flankiert wurde diese Entwicklung von schwachen Daten aus dem Immobiliensektor. Die Verkäufe neuer Häuser brachen im Juli deutlich stärker ein als von Ökonomen im Vorfeld prognostiziert. Der US-Häusermarkt leidet sichtlich unter dem anhaltend hohen Zinsniveau der vergangenen Monate. Für Bond-Investoren sind diese trüben Konjunktursignale paradoxerweise eine gute Nachricht: Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed das Tempo ihrer Straffung drosselt oder gar den Weg für Zinssenkungen freimacht. Schwache Konjunkturdaten bedeuten sinkenden Inflationsdruck und stützen somit den Rentenmarkt.

Technische Marken und Ausblick

Aus markttechnischer Sicht stellt der Sprung des T-Note-Futures auf 108,81 Punkte ein wichtiges Signal dar. Nachdem die Renditen der zehnjährigen Benchmark-Anleihen vorübergehend wieder die Marke von 4,70 Prozent ins Visier genommen hatten, sorgt der aktuelle Rückgang auf 4,64 Prozent für eine spürbare Entspannung.

Für Devisen- und Rohstoffhändler bedeutet diese Gemengelage eine Verschiebung der Gewichte. Ein nachgebendes Renditeniveau bei US-Anleihen nimmt tendenziell auch etwas Aufwärtsdruck vom US-Dollar, was wiederum Rohstoffe, die in Greenback abgerechnet werden, für internationale Käufer attraktiver machen könnte. Dennoch dominiert am Ölmarkt derzeit die Sorge vor einer nachlassenden globalen Nachfrage, angeheizt durch die schwächelnden Konjunkturdaten aus den USA und China. Solange diese Konjunktursorgen überwiegen, dürfte der Druck auf die Ölpreise anhalten und den Rentenmärkten damit weiterhin als Puffer dienen. Anleger sollten in den kommenden Tagen vor allem die anstehenden Arbeitsmarktdaten aus den USA im Blick behalten. Sie dürften den nächsten großen Richtungsweiser für die Zins- und Anleihemärkte darstellen.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Wallstreet Online redaktionell erstellt.

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