Bund-Future

Flucht in den Bund: Frankreich-Spread explodiert auf Niveau von 2011

Zins-Schock in der Eurozone: Anleihemärkte geraten wegen Paris in Aufruhr

Aylin Yilmaz

Von Aylin Yilmaz

· 3 Min.

Flucht in den Bund: Frankreich-Spread explodiert auf Niveau von 2011
Flucht in den Bund: Frankreich-Spread explodiert auf Niveau von 2011

Am europäischen Rentenmarkt spitzt sich die Lage dramatisch zu. Die Schere zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen klafft so weit auseinander wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Während deutsche Bundesanleihen am Donnerstag einmal mehr ihre Rolle als ultimativer „sicherer Hafen“ untermauerten und ihre Vortagesverluste vollständig wettmachten, gerieten die Papiere unseres westlichen Nachbarn massiv unter die Räder.

Der nackte Zahlencheck: Bund-Future zieht an, Renditen sinken

Der richtungweisende Euro-Bund-Future, das Barometer für den deutschen Rentenmarkt, legte bis zum späten Donnerstagnachmittag um deutliche 0,65 Prozent zu und notierte bei 122,23 Punkten. Da sich Anleihekurse und Renditen spiegelbildlich bewegen, sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im Gegenzug spürbar auf 3,35 Prozent. Anleger suchten gezielt die vermeintliche Sicherheit der deutschen Papiere.

Ganz anders das Bild in Paris: Am französischen Anleihenmarkt schoss die Rendite der zehnjährigen staatlichen Titel (OAT) zuletzt auf 5,08 Prozent nach oben. Damit ereignete sich an den Märkten ein bemerkenswertes Novum: Frankreich muss sich mittlerweile zu höheren Zinsen verschulden als die USA.

Das Gespenst von 2011: Spread explodiert auf 1,78 Prozentpunkte

Die Dynamik an den Märkten lässt unter Händlern Erinnerungen an dunkle Zeiten wachwerden. Der Abstand zwischen den Renditen zehnjähriger französischer und deutscher Staatsanleihen – in der Finanzwelt als Risikoprämie oder Spread bezeichnet – weitete sich im Handelsverlauf zeitweise auf schwindelerregende 1,78 Prozentpunkte (178 Basispunkte) aus.

Das ist der höchste Stand seit Ende 2011. Damals, auf dem Höhepunkt der europäischen Staatsschuldenkrise, bangten Investoren weltweit um den Fortbestand der Währungsunion und spekulierten offen über ein Auseinanderbrechen der Eurozone. Dass diese Marke nun erneut touchiert wird, zeigt den Ernst der Lage und die tiefe Verunsicherung der globalen Rentenmärkte bezüglich der Bonität der Grande Nation.

Frankreich im Klammergriff: Politischer Stillstand und Generalstreik

Hintergrund des massiven Ausverkaufs französischer Staatspapiere ist die tiefe innenpolitische und fiskalische Krise im Land. Die Proteste reißen nicht ab, die Haushaltskonsolidierung steckt in einer Sackgasse. Nun gießen die Gewerkschaften weiteres Öl ins Feuer: Der mächtige Gewerkschaftsbund hat für den 5. November zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. Begründet wird dieser Schritt mit einer drastischen Verschlechterung der sozialen Lage für weite Teile der Bevölkerung und den extrem hohen Lebenshaltungskosten.

Für die ohnehin fragile Regierung in Paris ist das ein Albtraum. Elias Haddad, leitender Marktstratege bei der renommierten US-Investmentbank Brown Brothers Harriman & Co., zeichnet ein düsteres Bild: „Die politische Blockade und die öffentliche Empörung über die hohen Lebenshaltungskosten machen es praktisch unmöglich, die öffentlichen Finanzen noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr nachhaltig zu sanieren.“

Die Zeitbombe der Refinanzierung tickt

Diese anhaltende Hängepartie wird für das hochverschuldete Land zunehmend selbst zum handfesten finanziellen Problem. Finanzanalyst Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler warnt vor den langfristigen Folgen dieser Phase der Unsicherheit, die voraussichtlich mindestens bis zu den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr und den darauffolgenden Parlamentswahlen im Juni anhalten wird.

Die erhöhten Risikoprämien sind kein rein theoretisches Marktphänomen, sondern schlagen direkt auf das französische Budget durch. Zwar liegen die durchschnittlichen Zinskosten für die bereits bestehenden französischen Altschulden dank der extremen Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre aktuell noch bei historisch moderaten rund 2 Prozent. Doch dieser Schutzwall bröckelt rasant: Mit jeder alten Anleihe, die ausläuft und durch neue Papiere am Markt abgelöst werden muss, schlagen die aktuellen Rekordrenditen voll ins Kontor. Frankreich wachsen die Zinslasten über dem Kopf zusammen.

Doppeleffekt: Aktien-Schwäche und Ölpreis treiben Bunds

Unterstützung erhielten die deutschen Staatsanleihen am Donnerstag jedoch nicht nur durch das französische Drama. Auch das globale Marktumfeld spielte den Bond-Bullen in die Karten. An den weltweiten Aktienmärkten herrschte Katerstimmung. Enttäuschende und durchwachsene Quartalszahlen großer US-Technologiekonzerne dämpften den Risikoappetit der Marktteilnehmer spürbar.

Gleichzeitig sorgten wieder deutlich gestiegene Ölpreise für neue Inflationssorgen. Diese Kombination aus Aktienkorrektur und Energiepreis-Schock trieb die Anleger scharenweise aus risikoreichen Papieren in die vermeintlich sicheren Häfen – und der deutsche Rentenmarkt war hierbei am Donnerstag die erste Adresse.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Wallstreet Online redaktionell erstellt.

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