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EUR/USD wackelt: Konjunktur-Dämpfer aus Paris setzt dem Euro zu

Devisenmarkt im Fokus

Tobias Krawczyk

Von Tobias Krawczyk

· 3 Min.

EUR/USD wackelt: Konjunktur-Dämpfer aus Paris setzt dem Euro zu
EUR/USD wackelt: Konjunktur-Dämpfer aus Paris setzt dem Euro zu

Der Devisenmarkt zeigt sich zum Wochenausklang in Bewegung, und die Gemeinschaftswährung muss Federn lassen. Nach einem zeitweisen Höhenflug gerät der Euro (EUR) gegenüber dem US-Dollar (USD) wieder unter Druck. Am Freitagnachmittag pendelte das meistgehandelte Währungspaar der Welt um die psychologisch wichtige Marke von 1,1200 USD. Händler machten vor allem enttäuschende Konjunkturdaten aus der Eurozone für die Abgaben verantwortlich – allen voran ein herber Dämpfer aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Währungsunion.

Frankreichs Konjunkturmotor stottert heftig

Der Hauptauslöser für die jüngste Schwächephase des Euro lag in den neuesten Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den laufenden Monat. Besonders die Daten aus Frankreich schockierten die Marktteilnehmer. Sowohl der Teilindex für die Industrie als auch der für den Dienstleistungssektor rutschten überraschend unter die kritische Expansionsschwelle von 50 Punkten. Ein Wert unter dieser Marke signalisiert eine schrumpfende wirtschaftliche Aktivität.

Damit verfestigt sich das Bild einer anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation im Kern der Eurozone. Analysten hatten im Vorfeld mit einer Stabilisierung gerechnet, doch die Realität holte die Euro-Bullen schnell ein. Die politische Hängepartie in Paris nach den jüngsten Wahlen sowie die anhaltende Verunsicherung an den Anleihemärkten scheinen nun vollends auf die Realwirtschaft durchzuschlagen.

Experten warnen vor politischer Verunsicherung

Claus Vistesen, Chefvolkswirt für die Eurozone bei Pantheon Macroeconomics, ordnete die Lage für die Marktteilnehmer ein: „Diese Stimmungsdaten werden die Befürchtungen verstärken, dass politische Unsicherheit und Volatilität am Anleihemarkt die Konjunktur in Frankreich – und in der gesamten Eurozone – bremsen, indem sie das Vertrauen belasten und die finanziellen Rahmenbedingungen verschärfen.“ Das schwindende Vertrauen belaste die Investitionsbereitschaft der Unternehmen spürbar.

Gleichzeitig mahnte Vistesen jedoch zur Besonnenheit. Die französischen Einkaufsmanagerindizes seien traditionell schwankungsanfällig. Ihre Aussagekraft für das kurzfristige, tatsächliche Wirtschaftswachstum im laufenden Quartal sei mitunter begrenzt. Dennoch: Für den Devisenmarkt war die Richtung erst einmal vorgegeben.

EZB-Referenzkurs spiegelt Abwärtsdruck wider

Die Europäische Zentralbank (EZB) trug der Marktstärke des US-Dollars Rechnung und setzte den offiziellen Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1193 USD fest. Am Donnerstag hatte dieser noch bei 1,1205 USD gelegen. Im Umkehrschluss bedeutete dies einen Dollar-Wert von 0,8934 Euro (Vortag: 0,8924 Euro).

Für Devisenhändler stellt sich nun die Frage, wie die EZB auf die anhaltende Konjunkturschwäche reagieren wird. Sollten sich die Konjunkturdaten in den kommenden Wochen nicht erholen, wächst der Druck auf die Notenbanker in Frankfurt, die Zinsen schneller und deutlicher zu senken, um die Wirtschaft zu stützen. Ein beschleunigter Zinssenkungszyklus in Europa im Vergleich zu den USA würde den Euro tendenziell weiter belasten, da die Zinsdifferenz zugunsten des Dollars spricht.

US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust

Während Europa mit strukturellen Problemen und politischer Unsicherheit kämpft, präsentierten sich die Wirtschaftsdaten aus den USA zum Wochenausklang einmal mehr stabil. Die Stimmung der US-Verbraucher trübte sich im Oktober nur minimal und unerwartet geringfügig ein. Diese Resilienz stützt die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bei ihren kommenden Zinsschritten behutsamer vorgehen kann als zuvor angenommen.

Das makroökonomische Gefälle zwischen den beiden Wirtschaftsräumen bleibt damit das bestimmende Thema im Devisenhandel. Solange der US-Arbeitsmarkt und der Konsum in Übersee stabil bleiben, hat der Greenback gegenüber dem Euro fundamental die besseren Karten.

Charttechnischer Ausblick: Worauf Trader jetzt achten müssen

Aus charttechnischer Sicht bleibt die Zone um 1,1200 bis 1,1240 USD ein massiver Widerstand für den Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben gelang der Gemeinschaftswährung in den letzten Handelssitzungen nicht. Durch den Rückfall unter 1,1200 USD rücken nun die Unterstützungsmarken bei 1,1150 USD und darunter bei 1,1080 USD in den Fokus der Trader.

Sollten die Verkäufer am Drücker bleiben, könnten auch die gleitenden Durchschnitte der letzten 50 Tage wieder getestet werden. Kurzfristig agierende Marktteilnehmer dürften die kommenden US-Arbeitsmarktdaten und die Inflationszahlen aus der Eurozone genauestens analysieren, um neue Impulse für das Währungspaar abzuleiten. Vorerst bleibt der Euro im Konsolidierungsmodus.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von finanzen.net redaktionell erstellt.

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