EUR/USD

Euro kämpft mit Chart-Druck: Das wahre Risiko tickt in Paris

Devisenmarkt im Spannungsfeld

Tobias Krawczyk

Von Tobias Krawczyk

· 3 Min.

Euro kämpft mit Chart-Druck: Das wahre Risiko tickt in Paris
Euro kämpft mit Chart-Druck: Das wahre Risiko tickt in Paris

Devisen-Update: EUR/USD im Würgegriff von Charttechnik und Frankreich-Krise

Auf den ersten Blick herrscht an der Devisenfront trügerische Ruhe. Die Gemeinschaftswährung zeigt sich zur Wochenmitte weitgehend stabil, doch unter der Oberfläche brodelt es heftig. Trader blicken derzeit auf ein extremes Doppelszenario: Während charttechnische Hürden den kurzfristigen Spielraum nach oben begrenzen, droht die politische Realität in Europa das Fundament des Euro nachhaltig zu untergraben. Vor allem der Blick nach Frankreich lässt Marktteilnehmern den Atem stocken.

Zuletzt pendelte der Euro im New Yorker Handel bei 1,1236 US-Dollar, nachdem er kurz zuvor bei 1,1241 Dollar ein frisches Tageshoch markiert hatte. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den offiziellen Referenzkurs auf 1,1234 Dollar festgesetzt (Dienstag: 1,1215 Dollar). Der US-Dollar kostete damit im Gegenzug 0,8902 Euro. Ein minimaler Zuwachs für die Gemeinschaftswährung, der jedoch kaum über die strukturellen Bremsklötze hinwegtäuschen kann.

Die charttechnische Hürde: 21-Tage-Linie im Fokus

Aus rein markttechnischer Sicht bewegt sich der Euro in einer klassischen Konsolidierungsphase. Die Devisen-Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verweisen darauf, dass sich diese zähe Seitwärtsbewegung knapp unterhalb der kurzfristigen 21-Tage-Durchschnittslinie abspielt. Diese gleitende Linie fungiert derzeit als hartnäckiger Widerstand bei 1,1259 Dollar.

Sollte den Bullen hier der Ausbruch gelingen, rückt sofort das jüngste Verlaufshoch vom vergangenen Freitag bei 1,1269 Dollar ins Visier. Neben der 21-Tage-Linie zeigt auch der Relative-Stärke-Index (RSI) ein neutrales Bild, was das Szenario einer anhaltenden Seitwärtsbewegung stützt. Händler warten auf einen echten Katalysator. Ein nachhaltiger Ausbruch über 1,1269 Dollar könnte eine rasche Eindeckungswelle von Short-Positionen auslösen und den Weg in Richtung 1,1300 Dollar ebnen. Auf der Unterseite fungiert die Marke um 1,1200 Dollar als psychologische Unterstützung.

Das Pariser Pulverfass: Renditespreads auf 15-Jahres-Hoch

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Bodenbildung hängt jedoch an einem seidenen Faden, der nicht in Frankfurt oder New York gesponnen wird, sondern in Paris. Die anhaltende politische Unsicherheit und die wachsenden Sorgen über die französischen Staatsfinanzen belasten den Devisenmarkt extrem.

Das spiegelt sich drastisch an den Rentenmärkten wider: Der Renditeabstand (Spread) zwischen zehnjährigen Staatsanleihen aus Frankreich und Deutschland hat sich zuletzt drastisch ausgeweitet. Mit knapp 1,6 Prozentpunkten Differenz erreichte dieser Spread den höchsten Stand seit 15 Jahren. Das ist ein deutliches Misstrauensvotum der internationalen Investoren gegenüber der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Die Staatsverschuldung Frankreichs wächst schneller als prognostiziert, was Ratingagenturen auf den Plan rufen könnte. Wenn Investoren französische Papiere (OATs) meiden und in deutsche Bundesanleihen flüchten, erzeugt dies einen permanenten Abwärtsdruck auf die Gemeinschaftswährung.

Geldpolitik im Dilemma: Was Devisenhändler jetzt wissen müssen

Für Devisenhändler ist dieser Zinsabstand ein extrem toxischer Indikator. Ein steigender Rendite-Spread signalisiert strukturelle Instabilität innerhalb der Währungsunion. Solange die Gemüter an den europäischen Anleihemärkten nicht beruhigt werden können, bleibt der Euro anfällig für plötzliche Verkaufswellen.

Die EZB befindet sich dadurch in einer klassischen Zwickmühle: Sie muss die Inflation bekämpfen, darf aber gleichzeitig die Refinanzierungskosten hochverschuldeter Euro-Staaten nicht unkontrolliert explodieren lassen. Auf der anderen Seite des Atlantiks wartet der US-Dollar derweil auf neue Signale der Federal Reserve. Da sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigt, hat der Greenback ein stabiles Fundament, was den Aufwärtsspielraum für EUR/USD zusätzlich limitiert.

Ausblick: Worauf Trader jetzt achten müssen

Für Daytrader und Deviseninvestoren bleibt das Umfeld hochgradig volatil. Der Euro zeigt zwar Ansätze einer Bodenbildung, doch die nötige Dynamik fehlt. Die Schlüsselmarken auf der Oberseite stehen fest: 1,1259 und 1,1269 Dollar. Werden diese Widerstände nicht per Tagesschlusskurs überwunden, bleibt das Paar EUR/USD im Korrekturmodus. Auf fundamentaler Ebene sollten Marktteilnehmer in den kommenden Handelstagen das Hauptaugenmerk nicht nur auf die US-Konjunkturdaten richten, sondern primär auf die Renditeentwicklung in Europa. Beruhigt sich die Lage in Paris nicht, könnte der Euro schneller wieder unter Druck geraten, als es den Bullen lieb ist.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von finanzen.net redaktionell erstellt.

#EUR/USD#Euro#US-Dollar#Frankreich#Rendite-Spread#Devisenhandel#Charttechnik

Weiterlesen

Mehr aus der Kursfeld-Redaktion