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Euro im Abwärtsstrudel: Pariser Haushalts-Krise und teures Öl belasten Gemeinschaftswährung

Devisenmarkt unter Druck

Aylin Yilmaz

Von Aylin Yilmaz

· 4 Min.

Euro im Abwärtsstrudel: Pariser Haushalts-Krise und teures Öl belasten Gemeinschaftswährung
Euro im Abwärtsstrudel: Pariser Haushalts-Krise und teures Öl belasten Gemeinschaftswährung

Der Devisenmarkt zeigt sich am Donnerstag unruhig, und die europäische Gemeinschaftswährung muss Federn lassen. Nach einem zunächst verhalten positiven Start in den Handelstag geriet der Euro (EUR) im Tagesverlauf gegenüber dem US-Dollar (USD) spürbar unter Druck. Am Nachmittag notierte das Währungspaar EUR/USD bei 1,1205 – ein deutlicher Rücksetzer im Vergleich zum Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den offiziellen Referenzkurs ebenfalls auf 1,1205 USD fest, nachdem er am Mittwoch noch bei 1,1234 USD gelegen hatte. Für einen Dollar mussten Anleger somit 0,8925 Euro hinlegen (Vortag: 0,8901 Euro).

Die Paris-Prämie: Französische Staatsanleihen geraten ins Trudeln

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für den Euro liegt derzeit westlich des Rheins. Die anhaltenden Sorgen um die französische Haushaltsdisziplin und die jüngsten politischen Turbulenzen in Paris belasten die Gemeinschaftswährung massiv. Die französische Regierung kämpft mit einer angespannten Haushaltslage und sieht sich heftigen, teils gewaltsamen Protesten gegen geplante Sparmaßnahmen gegenüber. Diese innenpolitische Zerreißprobe schlägt direkt auf die Finanzmärkte durch.

Die Renditen französischer Staatsanleihen kletterten in der Folge auf mehrjährige Höchststände. Besonders alarmierend für Devisenhändler: Der Renditeabstand (Spread) zwischen zehnjährigen französischen Staatsanleihen und den als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen hat sich im Handelsverlauf einmal mehr ausgeweitet. Dieser Risikoaufschlag zeigt deutlich, dass das Vertrauen der Investoren in die Stabilität der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone Risse bekommen hat. Solange die fiskalische Unsicherheit in Frankreich anhält, dürfte dies wie ein Bremsklotz für den Euro wirken.

Ölpreis schürt Fed-Sorgen und stützt den Dollar

Während der Euro an hausgemachten europäischen Problemen leidet, profitiert der US-Dollar von globalen Faktoren. An erster Stelle stehen hier die hartnäckig hohen Ölpreise. Die Notierungen für Rohöl der Sorten Brent und WTI verharren auf einem Niveau, das Marktteilnehmer weltweit in Alarmbereitschaft versetzt. Höhere Energiepreise wirken direkt als Inflationstreiber – und genau hier schließt sich der Kreis zur Geldpolitik.

Die Märkte spekulieren zunehmend darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) aufgrund des anhaltenden Inflationsdrucks gezwungen sein könnte, die Zinsen noch einmal anzuheben oder das hohe Zinsniveau zumindest deutlich länger als erwartet zu halten. Höhere US-Zinsen machen Dollar-Anlagen für globale Investoren attraktiver und ziehen Kapital aus dem Euroraum ab. Das stützt die US-Währung und drückt EUR/USD weiter nach unten.

Konjunktur-Dämpfer: Verbraucher in der Eurozone blockieren die Erholung

Als wäre die Gemengelage aus fiskalischen Sorgen und Zinsdruck nicht schon genug, lieferten auch die jüngsten Konjunkturdaten aus der Eurozone am Donnerstag keine Argumente für eine Euro-Rallye. Die Stimmung der Verbraucher im gemeinsamen Währungsraum hat sich im Oktober überraschend deutlich eingetrübt. Der entsprechende Index verfehlte die ohnehen gedämpften Erwartungen der Analysten spürbar.

Dieser Einbruch des Verbrauchervertrauens unterstreicht, dass die Konjunktur in Europa weiterhin auf tönernen Füßen steht. Eine schwache Binnennachfrage schränkt den Spielraum der EZB für eine straffe Geldpolitik ein, da weitere Zinsschritte die ohnehin fragile Wirtschaft vollends abwürgen könnten. Für den Devisenmarkt bedeutet das eine wachsende geldpolitische Divergenz zwischen der tendenziell falkenhaften Fed und einer zur Vorsicht gezwungenen EZB – ein klassisches Rezept für einen schwächeren Euro.

Rohstoff-Sog belastet die Handelsbilanz

Unter Devisenhändlern gilt die aktuelle Schwächephase des Euro keineswegs als temporäres Rauschen. Vielmehr kristallisieren sich strukturelle Differenzen zwischen den beiden großen Wirtschaftsblöcken heraus. Während die USA trotz restriktiver Geldpolitik eine bemerkenswerte Resilienz zeigen, schleppt sich die Wirtschaft der Eurozone von einem schwachen Quartal zum nächsten. Der Devisenmarkt spiegelt diese Realität nun wider. Der Euro, der sich vor einigen Wochen noch in Richtung der Marke von 1,13 USD aufgemacht hatte, muss nun wichtige Unterstützungslinien verteidigen.

Besonders der Rohstoffmarkt fungiert in diesem Szenario als Brandbeschleuniger. Die Korrelation zwischen einem starken Ölpreis und einem festen Dollar ist am Devisenmarkt ein bekanntes Phänomen. Da Öl weltweit in Dollar abgerechnet wird, führt ein steigender Ölpreis automatisch zu einer höheren Dollar-Nachfrage. Für europäische Unternehmen, die Energie importieren müssen, bedeutet dies eine doppelte Belastung: Sie müssen nicht nur mehr für das Öl bezahlen, sondern auch für den dafür benötigten Dollar tiefer in die Tasche greifen. Dies schwächt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zusätzlich.

Technische Marken: Wo findet der Euro Halt?

Aus charttechnischer Sicht rückt nun die psychologisch wichtige Marke von 1,1200 USD in den Fokus. Sollte dieser Support nachhaltig nach unten durchbrochen werden, drohen schnelle Anschlussverkäufe in Richtung 1,1180 USD. Auf der Oberseite ist der Weg erst bei einer spürbaren Entspannung im Haushaltsstreit in Paris oder bei einem deutlichen Rücksetzer der Ölpreise frei. Solange diese beiden Belastungsfaktoren intakt sind, bleibt der Euro im Abwärtsstrudel gefangen.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von finanzen.net redaktionell erstellt.

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