EuroStoxx 50

Doppel-Schock für Europas Börsen: Ölpreis-Druck und Tech-Ausverkauf reißen EuroStoxx unter 200-Tage-Linie

Inflationssorgen belasten die Märkte

Tobias Krawczyk

Von Tobias Krawczyk

· 4 Min.

Doppel-Schock für Europas Börsen: Ölpreis-Druck und Tech-Ausverkauf reißen EuroStoxx unter 200-Tage-Linie
Doppel-Schock für Europas Börsen: Ölpreis-Druck und Tech-Ausverkauf reißen EuroStoxx unter 200-Tage-Linie

Der Druck auf die europäischen Aktienmärkte verschärft sich drastisch. Am Donnerstag erlebten die Börsen in der Eurozone einen heftigen Rückschlag, getrieben von einer gefährlichen Doppelbelastung: Unnachgiebig hohe Rohölpreise schüren die Inflationsangst, während zeitgleich eine scharfe Korrektur im Technologiesektor die Wachstumswerte in die Tiefe reißt.

Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 büßte bis zum Handelsschluss erhebliche 1,94 Prozent ein und verabschiedete sich bei 6.087,01 Punkten aus dem Markt. Damit riss der Index nicht nur wichtige Unterstützungslinien, sondern zementierte auch den seit Mitte August etablierten Abwärtstrend.

Rohstoff-Druck: Ölpreise füttern das Inflationsgespenst

Die anhaltende Stärke am Ölmarkt entwickelt sich zunehmend zum Bremsklotz für die globale Konjunktur. Die Notierungen für die wichtigsten Rohölsorten verharren auf einem Niveau, das die Produktionskosten der Industrie verteuert und die Kaufkraft der Verbraucher schwächt. Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets brachte die angespannte Lage auf den Punkt: „Es wird ungemütlich an der Börse.“ Der anhaltend hohe Inflationsdruck bleibe die zentrale Sorge der Marktteilnehmer.

Besonders die ungelösten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wirken als Preistreiber. Solange hier keine spürbare Deeskalation und damit eine Entlastung an den Ölmärkten eintritt, wächst das Risiko von Zweitrundeneffekten. Die Notenbanken geraten dadurch in ein Dilemma: Eigentlich signalisiert die schwächelnde Wirtschaft Zinssenkungsbedarf, doch die hartnäckige Inflation schränkt den Spielraum von EZB und Fed massiv ein. Immer mehr Konzerne reagieren bereits und schrauben ihre Geschäftsausblicke für das kommende Jahr vorsichtiger zurück.

Charttechnik alarmiert: Wichtige Haltelinien gerissen

Aus technischer Sicht hat sich das Bild für den EuroStoxx 50 am Donnerstag massiv eingetrübt. Im Tagesverlauf scheiterte der Index am Versuch, die kurzfristig relevante 21-Tage-Linie zu überwinden. Schlimmer noch für die Optimisten: Zum Glockenschlag notierte der Leitindex knapp unter der viel beachteten 200-Tage-Linie, die als wichtiges Barometer für den langfristigen Trend gilt.

Sollte sich dieser Bruch in den kommenden Handelstagen bestätigen, drohen den europäischen Aktienmärkten weitere Anschlussverkäufe. Trader dürften sich in diesem Szenario zunehmend defensiv positionieren, was den Verkaufsdruck weiter beschleunigen könnte.

Tech-Beben erfasst Europa nach US-Vorgaben

Als zweiter Belastungsfaktor erwies sich der Technologiesektor, der von einer Verkaufswelle an der New Yorker Nasdaq erfasst wurde. Enttäuschende Signale und vorsichtigere Ausblicke von US-Schwergewichten wie Meta und dem Chipausrüster Lam Research versetzten den Halbleiter- und KI-Werten diesseits des Atlantiks einen schweren Dämpfer.

Im EuroStoxx traf es die Papiere von Siemens Energy besonders hart. Auch die Branchengrößen ASML, Infineon und Schneider Electric gerieten spürbar unter die Räder. Die Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz weicht anscheinend einer Phase der Realitätsprüfung, in der Anleger vermehrt Gewinne sichern.

SAP trotzt dem Trend – doch nachbörslicher Schock irritiert

Einzig der Softwarekonzern SAP konnte sich dem allgemeinen Abwärtstrend im regulären Xetra-Handel entziehen. Nach der Vorlage aktueller Quartalszahlen kletterte die Aktie an die Spitze des EuroStoxx und verbuchte ein Plus von 3,2 Prozent. Die starken operativen Kennzahlen des Walldorfer Cloud-Riesen verhinderten Schlimmeres für den gesamten europäischen Tech-Sektor.

Irritation herrschte jedoch im nachbörslichen Handel: Auf der Handelsplattform Tradegate notierte das Papier am frühen Abend plötzlich mit einem deutlichen Abschlag von 5,86 Prozent bei einem Kurs von 50,24 Euro. Ob es sich hierbei um eine technische Gegenbewegung, Arbitrageeffekte oder eine verzögerte Reaktion auf den schwachen US-Markt handelt, bleibt abzuwarten. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt mit 220,17 Euro jedenfalls weiterhin weit über dem aktuellen Niveau, wobei die Spanne von vorsichtigen 175,00 Euro bis zu optimistischen 250,00 Euro reicht.

SMI und FTSE 100 zeigen relative Stärke

Etwas besser präsentierten sich am Donnerstag die Handelsplätze außerhalb der Eurozone. Der Schweizer Leitindex SMI schloss nahezu unverändert mit einem hauchdünnen Minus von 0,03 Prozent bei 14.547,97 Punkten. Hier erwiesen sich die defensiven Schwergewichte Nestlé und Novartis einmal mehr als stabiler Anker in stürmischer See.

Auch der britische FTSE 100 schlug sich vergleichsweise wacker und gab lediglich um 0,26 Prozent auf 10.725,03 Zähler nach. Der rohstofflastige Index profitierte in Teilen von der Stärke der großen Öl- und Gasproduzenten, die von den hohen Energiepreisen unmittelbar gestützt werden.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Wallstreet Online redaktionell erstellt.

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