Euro

Euro-Rebound über 1,12 Dollar: Warum die US-Zinsangst verpufft

Devisenmärkte im Fokus

Hendrik Jansen

Von Hendrik Jansen

· 3 Min.

Euro-Rebound über 1,12 Dollar: Warum die US-Zinsangst verpufft
Euro-Rebound über 1,12 Dollar: Warum die US-Zinsangst verpufft

Der Devisenmarkt zeigt sich in diesen Tagen von seiner dynamischen Seite. Nach einem herben Dämpfer zur Wochenmitte hat die europäische Gemeinschaftswährung eine beeindruckende Kehrtwende hingelegt. Der Euro kletterte im Donnerstagshandel wieder über die psychologisch wichtige Marke von 1,12 US-Dollar und machte damit die Verluste des Vortages nahezu vollständig wett.

Am Nachmittag notierte das meistgehandelte Währungspaar der Welt bei 1,1220 Dollar – ein deutliches Signal der Stärke, nachdem der Kurs im frühen Handel noch spürbar unter der 1,12er-Linie verharrt hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den offiziellen Referenzkurs auf 1,1208 Dollar fest, nachdem er am Mittwoch noch bei 1,1195 Dollar gelegen hatte. Der Dollar kostete damit im Umkehrschluss 0,8922 Euro.

Das zähe Ringen um die US-Zinspfade

Hinter der jüngsten Volatilität steht ein klassisches makroökonomisches Kräftemessen zwischen den Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks. Am Mittwoch hatten überraschend starke Inflationsdaten aus den USA den Euro zunächst massiv unter Druck gesetzt. Die unerwartet hohe Teuerungsrate in der größten Volkswirtschaft der Welt schürte an den globalen Rentenmärkten sofort die Sorge vor einer restriktiveren Gangart der Federal Reserve (Fed).

In der Folge schoss der Greenback nach oben, während der Euro im Gegenzug bis auf ein markantes Tief bei 1,1113 Dollar durchgereicht wurde. Doch die Erleichterung aufseiten der Dollar-Bullen währte nur kurz. Marktteilnehmer realisierten schnell, dass ein einzelner Datenpunkt die langfristige Zinswende der Fed nicht komplett umkehren wird. Die Zinserhöhungserwartungen bezüglich der US-Notenbank für die kommenden Quartale wurden durch die Teuerungsdaten nur temporär angeheizt. Händler nutzten das gedrückte Niveau des Euro umgehend für strategische Käufe, was die schnelle Gegenbewegung einleitete.

US-Erzeugerpreise verfehlen die Wirkung

Besonders bemerkenswert war das Verhalten des Marktes am Donnerstagnachmittag. Die Veröffentlichung der US-Erzeugerpreise (PPI) für den Monat September – ein wichtiger Vorläuferindikator für die allgemeine Inflation – zeigte ebenfalls einen unerwartet starken Anstieg. In normalen Marktphasen hätte dies dem US-Dollar weiteren Auftrieb geben müssen, da steigende Erzeugerpreise den Druck auf die Fed erhöhen, die Zinsen länger hoch zu halten.

Dieszeit jedoch blieb die Reaktion aus. Der Euro hielt seine Kursgewinne mühelos und baute sie sogar leicht aus. Dies deutet darauf hin, dass die Märkte die hawkishe Rhetorik der Fed zunehmend eingepreist haben und der Dollar an dieser Stelle an ein vorläufiges Bewertungslimit stößt. Für die Gemeinschaftswährung bedeutet dies eine spürbare Atempause. Analysten verweisen darauf, dass die Erwartungen an künftige Zinsschritte der EZB im Vergleich zur Fed derzeit stabiler eingeschätzt werden, was dem Euro eine solide relative Stärke verleiht.

Technische Lage des EUR/USD

Aus charttechnischer Sicht ist der Sprung zurück über die Marke von 1,12 Dollar von hoher Bedeutung. Mit dem Tief bei 1,1113 Dollar wurde die kurzfristige Unterstützung im Bereich von 1,1100 Dollar erfolgreich getestet und verteidigt. Das schnelle Comeback demonstriert ein robustes Kaufinteresse im Bereich der runden Marke von 1,11.

Sollte sich der Euro nun oberhalb von 1,1220 Dollar etablieren können, rücken schnell wieder die jüngsten Verlaufshochs in den Fokus der Händler. Auf der Unterseite bleibt die Zone um 1,1150 Dollar eine erste Auffanglinie, gefolgt von der massiven Unterstützung bei 1,1100 Dollar. Solange diese Marken halten, bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend des Euro intakt.

Ausblick: Devisenmärkte im Bann der Makrodaten

Für Marktteilnehmer am Devisenmarkt bleibt das Umfeld extrem datenabhängig. Jede Abweichung bei den Konjunkturdaten wird derzeit auf die Goldwaage gelegt. Während die US-Wirtschaft weiterhin Anzeichen von Resilienz zeigt, blicken Investoren mit Sorge auf die Wachstumsdynamik in der Eurozone. Dieser fundamentale Spread könnte den Euro-Anstieg mittelfristig deckeln.

Zudem rücken die kommenden Sitzungen der Zentralbanken immer näher in den Fokus. Sollte die EZB signalisieren, dass sie trotz schwächelnder Konjunkturdaten an ihrem vorsichtigen Kurs festhält, während die Fed gezwungen ist, die Zinsen aufgrund der hartnäckigen Inflation länger auf hohem Niveau zu belassen, könnte sich ein volatiles Seitwärtsband etablieren. Dennoch zeigt die aktuelle Kursreaktion, dass der Markt die aggressive Zinssenkungserwartung an die Fed zwar adjustiert, aber keineswegs aufgegeben hat.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von finanzen.net redaktionell erstellt.

#Euro#US-Dollar#Devisen#Inflation#Zinspolitik#Wechselkurs

Weiterlesen

Mehr aus der Kursfeld-Redaktion