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Bayer-Aktie im Rechts-Vakuum: Warum der Markt die 58-Euro-Chance ignoriert

Pharmakonzern vor wichtigem Missouri-Urteil

Tobias Krawczyk

Von Tobias Krawczyk

· 4 Min.

Bayer-Aktie im Rechts-Vakuum: Warum der Markt die 58-Euro-Chance ignoriert
Bayer-Aktie im Rechts-Vakuum: Warum der Markt die 58-Euro-Chance ignoriert

Der unbewegliche Riese aus Leverkusen

Die Bayer-Aktie agiert an den internationalen Handelsplätzen derzeit wie ein gefesselter Riese. Während der Gesamtmarkt in den vergangenen Wochen immer wieder neue Impulse suchte, trat das Papier des Leverkusener Traditionskonzerns auf der Stelle. Zuletzt pendelte die Notierung minimal abwärts und schloss bei enttäuschenden 44,39 Euro. Mit diesem Niveau verharrt der Titel in einer charttechnischen Grauzone – weit entfernt von den einstigen Höchstständen, aber eben auch ohne die Dynamik für einen nachhaltigen Befreiungsschlag.

Das Kuriose dabei: Operativ und strategisch liefert der Konzern durchaus Argumente, die für eine deutlich höhere Bewertung sprechen würden. Doch an den Märkten regiert derzeit nicht die fundamentale Logik, sondern die nackte Angst vor den juristischen Altlasten in den USA.

Operativ auf Kurs: Was die Börse derzeit ignoriert

Wer rein auf die nackten Geschäftszahlen blickt, müsste bei der aktuellen Bewertung eigentlich zugreifen. Bayer hat im ersten Halbjahr trotz eines schwierigen globalen Marktumfelds ein Umsatzplus von soliden 3 Prozent ausgewiesen. Auch in der wichtigen Pharma-Pipeline gibt es messbare Erfolge. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat kürzlich den Zulassungsantrag für das Medikament Finerenon akzeptiert – ein Meilenstein, der im normalen Marktzyklus für deutliche Kursgewinne gesorgt hätte. Finerenon gilt als wichtiger Hoffnungsträger zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen bei Typ-2-Diabetes und besitzt erhebliches Blockbuster-Potenzial.

Gleichzeitig zeigt das Management unter Konzernchef Bill Anderson Disziplin bei der Sanierung der Bilanz. Durch eine Reihe strategischer Maßnahmen konnte die Nettofinanzverschuldung signifikant gedrückt werden und beläuft sich aktuell auf rund 29 bis 30 Milliarden Euro. Angesichts der Zinswende ist dieser Schuldenabbau ein überlebenswichtiges Signal an die Gläubiger und Investoren. Dennoch verpufften diese Erfolgsmeldungen an den Handelsplätzen fast vollständig. Das Handelsvolumen blieb dünn, die Kursreaktion verhalten.

Der 7,25-Milliarden-Dollar-Hebel in Missouri

Der Grund für die anhaltende Lethargie ist kein Geheimnis: Die Rechtsstreitigkeiten in den USA blockieren jegliche Fantasie. Aktuell blicken alle Augen der Marktteilnehmer nach Missouri. Dort steht die gerichtliche Genehmigung eines weitreichenden Schadenersatzvergleichs im Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar aus. Dieser Vergleich soll einen erheblichen Teil der anhängigen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter endgültig beilegen.

Für Bayer steht extrem viel auf dem Spiel. Stimmt das Gericht dem Vergleich zu, wäre dies der lang ersehnte Meilenstein zur Risikobegrenzung. Investoren bekämen endlich die dringend benötigte Planungssicherheit. Solange dieser Richterspruch jedoch aussteht, bleibt die Aktie für institutionelle Großanleger praktisch uninvestierbar. Niemand möchte kurz vor einer potenziellen Gerichtsentscheidung dieses Kalibers ins fallende Messer greifen. Das Ergebnis ist ein klassischer Attentismus: Der Markt wartet ab.

Liquidität und Cashflow unter der Lupe

Dass das laufende Geschäftsjahr finanziell kein Zuckerschlecken wird, hat Bayer ohnehin bereits eingepreist. Der Konzern kalkuliert für 2023 mit rechtsstreitbedingten Auszahlungen in Höhe von rund 5 Milliarden Euro. Diese massiven Abflüsse belasten naturgemäß den freien Cashflow direkt und entziehen dem Unternehmen dringend benötigte Mittel für Forschung und Entwicklung oder weitere Entschuldungsschritte.

Da diese Belastungen den Analysten und Marktteilnehmern jedoch seit Monaten bekannt sind, dürften sie im aktuellen Kurs von rund 44 Euro bereits weitgehend diskontiert sein. Die eigentliche Kursfantasie liegt folglich nicht in den bekannten Belastungen, sondern in der Reduzierung der zukünftigen Risiken. Fällt die Entscheidung in Missouri positiv aus, fällt die größte zentnerschwere Last von den Schultern der Aktionäre.

Fazit & Ausblick: Der 3. November als Richtungsweiser

Trotz der anhaltenden Hängepartie zeigen sich die führenden Analystenhäuser bemerkenswert unbeeindruckt von den kurzfristigen Störfeuern. Die Schweizer Großbank UBS hat erst kürzlich ihre Kaufempfehlung für das Papier erneuert. Der Konsens der Analysten sieht das faire Kursziel im Schnitt weiterhin bei über 58 Euro. Bezogen auf das aktuelle Kursniveau entspricht dies einem rechnerischen Aufwärtspotenzial von satten 29 Prozent.

Die nächste Bewährungsprobe für die Bullen steht am 3. November an. Dann wird Bayer die Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen. Anleger sollten diesen Termin rot im Kalender markieren: Liefert der Konzern hier eine solide operative Performance ab und gibt es bis dahin womöglich positive Signale von der juristischen Front in den USA, könnte die unterbewertete Aktie extrem schnell anspringen. Wer das Risiko nicht scheut, findet auf dem aktuellen Niveau eine hochspannende Rebound-Wette vor.

Dieser Beitrag wurde auf Basis einer Nachrichtenlage von Börse Express redaktionell erstellt.

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